Vision-Altenpflege

Multiresistente Bakterien
in Einrichtungen der Altenpflege



Staphylococcus aureus zählt zu den häufigsten Erregern von bakteriellen Infektionen. Besiedlungsorte sind die Haut und die Schleimhaut von Menschen und von Tieren. Die normale Besiedlung hat keinen Krankheitswert, es handelt sich um ein harmloses Bakterium,das aber unter bestimmten Voraussetzungen auch sehr gefährlich werden kann.

( Pflegepersonal erkrankt nicht häufiger an Staphylococcus aureus als andere Menschen ! )

Normal geht eine Staphylococcus aureus Infektion von der eigenen besiedelten Haut aus. Jedoch werden in Einrichtungen des Gesundheitswesens 10 - 20 % der Staphylococcus aureus Infektionen durch kontaminierte Hände des Personals übertragen !

Im Normalfall sind Staphylococcus aureus - Infektionen gut behandelbar, jedoch haben einige Staphylokokkenstämme Resistenzen gegen Antibiotika ( Oxacillin bzw. Methicillin = MRSA / ORSA ) entwickelt.
Solange jedoch keine Zeichen einer Infektion auftreten, ist der Nachweis kein pathologischer Befund.
Für die Therapie stehen nur Antibiotika zur Verfügung die entweder nur i.v. verabreicht werden können oder sehr teuer sind und zahlreiche Nebenwirkungen haben.
Desweiteren wird befürchtet, dass sich auch hier Resistenzen entwickeln.

Die Eigenschaften von MRSA unterscheiden sich nicht von anderen Staphylococcus aureus Stämmen.
Einige Stämme können sich jedoch unter den besonderen Gegebenheiten des Krankenhauses schnell ausbreiten.Dadurch kann es zu MRSA - Ausbrüchen in medizinischen Einrichtungen kommen. Die Anzahl der MRSA - infizierten bzw. besiedelten Patienten in Krankenhäusern ist regional unterschiedlich.Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden werden die infizierte Patienten in Krankenhäusern streng isoliert behandelt.


ORSA - Stämme infizieren gerne Abwehrgeschwächte Patienten und Menschen im hohen Alter.
Liegen keine Hinweise für eine systematische Infektion mit MRSA vor, können diese Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Das bedeutet , dass Patienten mit MRSA auch in Pflegeeinrichtungen verlegt werden können. Häufig sind diese Patienten mit MRSA in unterschiedlichen Körperregionen ( Nase, Rachen ) besiedelt oder lokal begrenzt infiziert. Oft handelt es sich um Patienten, die oft oder lange mit Antibiotika behandelt wurden.
In Deutschland gibt es derzeit keine Daten über die Vorkommen von ORSA oder MRSA in Altenheimen !


ESBL

Nachdem lange Zeit grampositive Bakterien, wie z.B. MRSA therapeutische und krankenhaushygienische Probleme verursachten, spielen hier nun die gramnegativen Stäbchenbakterien eine Rolle.
Durch Mutation im Bereich bekannter ß-Lactamasen werden die Erreger in die Lage versetzt, Resistenzen gegen Cephalosporine und gegen Monobactame zu bilden.
ESBL ( extended-spectrum-ß-lactamase ) gehören zum gramnegativen Keimspektrum,
insbesondere sind E-coli-, Klebsiellen- und Serratien-Stämme betroffen.
Entsprechend ihrer Definition sind sie multiresistent,
besonders gegenüber den 2. und 3. Generations-Cephalosporinen.
Die Übertragung erfolgt überwiegend über kontaminierte Hände des medizinischen Personals
oder ausgehend von Flächen in der Umgebung des Patienten.
Präventiv sollte beim Umgang mit ESBL-Patienten ein Schutzkittel getragen sowie eine konsequente Händedesinfektion durchgeführt werden.
Da in der Literatur bereits Ausbrüche mit ESBL beschrieben sind, werden in einigen Kliniken beim Auftreten von ESBL Hygiene maßnahmen wie beim Umgang mit MRSA getroffen.
Offizielle Empfehlungen gab es bis 2/2004 jedoch noch nicht!

Quelle: NLGA 2004

Entstehung von Antibiotikaresistenzen !

  • Teil der Evolution

  • Schutz vor Antibiotikaproduzierenden Organismen

  • Artübergreifender Gentransfer

  • Infektion mit bereits resistenten Erregern !

  • Selektionsdruck durch Antibiotikagabe - ( Human- Veterinärmedizin, Landwirtschaft )


Globalstrategien !

  • signifikante Reduktion des Antibiotikaverbrauchs in der Humanmedizin

  • Stopp der Antibiotikaanwendung in der Agrarindustrie außer in der Veterinärmedizin zur Behandlung von Tierinfektionen

  • Einhaltung von Hygienemaßnahmen im Krankenhaus - Händedesinfektion


Derzeitiger Einsatz von Antibiotika

  • 50 % Tierhaltung und Landwirtschaft ( großer Teil davon - sehr fragwürdig )

  • 50 % Humanmedizin


Risikofaktoren für Infektionen bei alten Menschen !

  • Einsatz von Antibiotika

  • Aufenthalt im Krankenhaus oder in Langzeitpflegeeinrichtungen

  • Grundkrankheiten ( Inkontinenz, Diabetes, offene Wunden, schlechter AZ, uä. )


Staphylococcus aureus !

Staphylokokken - grampositive ( graugefärbte ) in unregelmäßigen Haufen gelagerte kugelförmige Bakterien


  • 1. Staph. epidermis Gruppe - Hautbewohner
    - selten Infektionserreger
    - viele Arten
    - Plasmokoagulase negativ

  • 2. Staph. aureus - normal als Besiedler auf Haut und Schleimhaut
    - häufig Infektionserreger
    - eine Art
    - 40 % Prozent der Menschen tragen sie
    - Plasmakoagulase positiv
    - Besiedlung ist kein Krankheitswert - kann aber werden
    - Besiedlung bei Krankenhauspflegepersonal häufig bei 70 %


Infektionswege !

  • - endogen / von der eigenen Besiedlung ausgehend ca. 80 %

  • - exogen / von aussen übertragen ca. 20 % ( Hände ! )


Wichtiges in Kürze

  • MSSA - Methicillin sensible Staphylococcus aureus

  • ORSA / MRSA / ESBL Patienten müssen im Krankenhaus separiert werden !

  • kein spezifisches Krankheitsbild

  • ca. 3,7 - 13,5 % Auftreten in Deutschland

  • Behandlung nur bei Vorliegen einer klinischen Infektion !

  • ORSA / MRSA z.Zt. in Deutschland in LZ - Einrichtungen ca. 1,5 %

  • in Deutschland in Krankenhäusern ca. 15 %

  • in USA / Japan 40 - 50 % !!

  • Grundregeln der Hygiene müssen eingehalten werden !


Risikofaktoren !

Bewohnerbezogen

  • hohes Alter

  • offene Wunden

  • geringe Mobilität

  • Diabetes oder andere chronische Erkrankungen


externe Faktoren

  • hohe Pflegestufe

  • DK - Träger u.ä.


Gesundheitsamt als Partner !

  • Bei Ausbruch von Erkrankungen der Luftwege über Wochen auf einer Wohngruppe
    - dann Information an Gesundheitsamt ( Rachenabstrich )

  • Qualitative Zielsetzung - Einhaltung der Infektionshygiene

  • Steigende qualitative Ansprüche an Hygiene, Pflege, Medizin und Versorgung
    ( Dokumentation, Diskussion um sog. Pflegefehler )

  • Verstärkte marktwirtschaftliche Orientierung - u.a. Qualifikation der eingesetzten Pflegekräfte


Antibiotikaresistente Erreger in Langzeitpflegeeinrichtungen !

Das Gesundheitsamt Niedersachsen hat in Zusammenarbeit mit dem Fachausschuß Infektionsschutz des Landesverbandes Niedersachsen der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes ein Informationsblatt und Hygienepläne - MRSA in Pflegeeinrichtungen herausgegeben.


» Linktip - www.nlga.niedersachsen.de
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» Hygienestandard MRSA / ORSA «



Quelle Altenpflege 11/99 und Niedersächsisches Gesundheitsamt


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