Qualität in der Altenpflege

Betreuungswunsch einer Altenpflegerin
für das Jahr 2021


Da ich im Jahre 2021 stolze 75 Jahre sein werde, möchte ich mich bei Ihnen vorstellen:
Lassen Sie mir bitte meine Identität:
Ich heiße Eva-Maria Hilfreich und möchte auch so genannt werden.
Nicht Oma oder Eva.
Auch bin ich kein Zirkusmitglied und heiße Floh.
Wahrscheinlich werde ich dann nicht mehr in der Lage sein, meine Wünsche zu äußern.
Darum möchte ich es jetzt tun.
Aus finanziellen Gründen kann ich mir kein Einzelzimmer leisten,
aber meine Bitte:
Bei der morgendlichen Grundpflege stellen Sie doch bitte einen Sichtschutz auf,
damit ich nicht allen Blicken preisgegeben bin.
Ich wasche mich nicht so gern.
Dafür dusche ich aber um so lieber, und dies täglich.
Zum Abschluss bitte einmal ganz kalt.
Das bin ich von Kind auf so gewöhnt (daher selten erkältet).
Trocknen Sie mich bitte gut ab, damit ich nicht wund werde.
Solange ich noch als Altenpflegerin tätig war, habe ich immer auf kurze und saubere Fingernägel Wert gelegt.
Würden Sie das bitte für mich übernehmen
(auch zu Ihrem eigenen Schutz, damit ich Sie nicht kratzen kann)?
Falls ich mich nicht mehr allein anziehen kann, hätte ich gern,
dass die Pflegerin mir dabei behilflich ist.
Ich möchte so nett wie möglich gekleidet sein.
Am liebsten trage ich Röcke und Blusen, sie sollen aber zueinander passen.
Auch die Jacke soll farblich harmonieren (bitte keinen bunten Paradiesvogel kleiden).
Strümpfe ohne Laufmaschen sehen dazu gepflegt aus.
Mein Bargeld reicht wahrscheinlich dazu, dass ich zweimal im Monat zum Friseur kann. Ach ja, einmal Fußpflege bitte, denn die Hühneraugen tun so schrecklich weh.
Falls ich tags über im Gemeinschaftsraum sitzen muss, bitte, wäre es möglich,
dass hier zeitweise etwas Ruhe herrscht?
Der Fernseher oder das Radio müssen doch nicht den ganzen Tag laufen?
Wenn man mir ein gutes Buch zum Lesen gibt, z.B. Die Buddenbrocks,
reichen Sie mir dann auch meine Brille, bitte?
Sollte ich nicht mehr allein essen können,
zerkleinern Sie doch die großen Stücke für mich mundgerecht.
Nur nicht passieren, das sieht so vorgekaut aus.
Gern will ich versuchen, mit dem Löffel auch allein zu essen,
damit Sie mich nicht „füttern“ müssen.
Der Teller müsste wohl einen höheren Rand haben,
damit ich das Essen nicht über den ganzen Tisch jagen muss.
Sie sind sonst verärgert mit mir und ich bekomme keine frische Tischdecke.
Bisher habe ich immer viel getrunken.
Es kann sein, dass ich dann keinen Durst mehr empfinde.
Wären Sie dann so freundlich, mir ungefähr 2 Ltr. Tee über den Tag verteilt zu geben?
Am liebsten trinke ich Kräutertees ungezuckert.
Wenn ich Blase und Darm nicht mehr kontrollieren kann,
würden Sie mich dennoch als einen normalen Menschen behandeln?
Könnten Sie versuchen, die Nase nicht zu rümpfen,
wenn Sie die Bettdecke aufschlagen und es nicht so gut riecht?
Und wenn ich rufe, geht es, dass Sie mich nicht so lange warten lassen,
bis Sie mich zur Toilette bringen?
Ich würde gern auch mal ausgeführt werden,
vielleicht in die Oper?
Es darf auch ein Ausflug in den Frühling sein.
Sollte ich einmal senil werden,
Ihre Wünsche nicht verstehen können,
schimpfen Sie nicht mit mir.
Das macht mich nur noch unruhiger und aggressiver.
Behandeln Sie mich bitte mit Ruhe und Nachsicht.
Meine Welt wird zunehmend immer kleiner.
Darum lassen Sie mich doch an Ihrer ein klein wenig teilhaben.
Erzählen Sie mir doch etwas von Ihrer Familie,
oder wie Ihr Urlaub war.
Meine Wünsche nehmen kein Ende,
doch sind sie alle recht einfach zu erfüllen.
Was ich brauche,
ist ein gutes Essen,
menschliche Wärme
und jemand,
der mich liebevoll betreut und versorgt.
Ich habe Ihnen viel zum Nachdenken gegeben.
Vielleicht kann ich auch das später nicht mehr
und Sie müssten es für mich tun.
Würden Sie das für mich übernehmen?
Für alle Ihre Bemühungen möchte ich mich jetzt bei Ihnen bedanken,
vielleicht kann ich auch das später nicht mehr.

Eva-Maria Hilfreich


Johannes Paetzold

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