
In den Medien wird zur Zeit vermehrt auf die unterschiedlichen
Formen der Gewalt bei der Pflege und Betreuung alter Menschen aufmerksam gemacht.
Gewalt im Heim muß nicht immer handfest sein. In vielen Altenpflegeeinrichtungen
ist die Gewalt der Worte ein gängiges Mittel pflegerischen Machtmißbrauchs. Die
Formen der Gewalt reichen vom verbietenden Blick, über Medikamentenmissbrauch und Nahrungsentzug
bis zum Schlagen der Bewohner.
Hinzu kommen Demütigungen, Einschüchterungen, Beschimpfungen und Drohungen.
Von rund 800 000 Bewohnern in Altenpflegeeinrichtungen erleidet rund die Hälfte freiheitsentziehende
Maßnahmen. Demzufolge ist die Zahl der von den Gerichten genehmigten Fixierungen in den
letzten Jahren stark angestiegen.
Die häufig auf Überforderung des Pflegepersonals
beruhenden Gewaltmaßnahmen geschehen in der Regel, ohne dass jemand eine aggressive oder
schädigende Absicht hat.Die entscheidende Quelle für Gewalt sind Frustrationen. Sie
betreffen die Seiten der Pflegenden und der Gepflegten und können auf beiden Seiten Gewalt
und Aggressionen hervorrufen.
Pflege alter Menschen bedeutet oft eine Pflege über längere Zeiträume hinweg.
Die Erwartungen eines Erfolges trotz hohem Einsatzes werden letztendlich enttäuscht. Der
beständige körperliche und psychische Abbau muß miterlebt werden. Kindhafte
Verhaltensweisen einzelner Bewohner erschweren zusätzlich den angemessenen Umgang auf
der Erwachsenenebene. Bewohner müssen erfahren, wie sie oftmals wenig erwachsenengerecht
behandelt werden, die Bewohner verlieren an Selbstwertgefühl.
Hinzu kommt, dass der Zuwendungsbedarf des einzelnen weitaus größer ist, als es
die Personalsituation zuläßt, so werden individuelle Bedürfnisse der Bewohner
den notwendigen Arbeitsabläufen geopfert. Hoffnungen der Bewohner, im Altenheim einen
Ersatz für verlorene Beziehungsperson zu finden, werden enttäuscht. Aggressionen
von Bewohnerseite sind verstehbar, zum Beispiel als eine Möglichkeit , der Verzweiflung
über die eigene Lebenssituation Ausdruck zu verschaffen. Sie können aber auch als
eine Reaktion auf Personalverhalten interpretiert werden.
Pflegende, die in der sich selbst erzeugten Hektik und Erregung im permanenten Umgang mit Menschen
keine Gelegenheit für Entspannung, keine Ruhe- und Rückzugsräume finden werden
nach kurzer Zeit nicht mehr in der Lage sein, den ihnen anvertrauten Menschen ruhig und gelassen
zu begegnen. Diese Pfleger/innen können notwendige pflegerische Gewalt nicht mehr mitfühlend
begleiten. Sie greifen nach einer unbarmherzigen Sprache, sie belehren, erniedrigen, demütigen
und weisen zurecht.
Gewaltmaßnahmen, auch wenn sie als unabdingbar"
und letzte Möglichkeit" gesehen und unter Beachtung aller Rechtsvorschriften
durchgeführt werden, verringern Vertrauen und bewohnerorientiertes Handeln.
Bsp. Medikamenteneinnahme
Viele verabscheuen die Gewaltmaßnahmen in den Institutionen, dennoch wird man kaum ganz
ohne sie auskommen können jedoch bedarf es kritischer und alternativer Bemühungen
um eine Verletzung der Menschenwürde zu vermeiden. |
Stichworte zum Nachdenken !
Aktivierung
Wahlmöglichkeiten
Betreuungsrecht
Akzeptanz des erwachsenen Menschen
Autonomie / Selbstbestimmung fördern
Alternativen
Berücksichtigung von Wünschen
Schützen ?
Sensibilität
psychischer Druck
Auszüge aus den Anforderungen an eine menschenwürdige
Pflege
aus dem Memorandum der Aktion
gegen Gewalt in der Pflege
Stärkere Überwachung der Einrichtungen durch Heimgesetz und Heimaufsicht
Bessere Zusammenarbeit zwischen dem MDK und der Heimaufsicht
Ausreichende Qualifizierung und Professionalität des Pflegepersonals
Ansehen und Anerkennung für den Pflegeberuf
Erhöhung des Fachkräfteanteils
Einbeziehung aller Aktivitäten des täglichen Lebens in den Begriff
der Pflege
Mitbestimmung der Heimbewohner
Angehörigenbeiräte
Transparenz des Heimgeschehens
Information und Beratung
Ärztliche Versorgung
Möglichkeit von Rehabilitationsmaßnahmen
Überschaubare Größe der stationären Einrichtung
Verbesserung der baulichen Normen
Ermöglichen von Studien zum Thema - Gewalt in der Pflege
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