Presseinformation

Wie gefährlich sind Patientenverfügungen?

Publikation des Hospiz Stuttgart gibt Auskunft

Stuttgart, Mai 2001: Patientenverfügungen gelten mittlerweile fast als so etwas wie ein Allheilmittel gegen mögliche Übergriffe der Medizin in den letzten Lebenstagen und Garanten für ein würdiges Sterben. Hinter diese Annahmen setzten die Autoren des eben im Verlag Herder erschienenen Buches " Die Patientenverfügung was Sie tun können, um richtig vorzusorgen" ein Fragezeichen.

Der Jurist Prof. Dr. jur. Thomas Klie und der Palliativmediziner Prof. Dr. med. Johann-Christoph Student sind beide anerkannte Fachleute auf ihrem Gebiet. Klie lehr Recht an der Evang. Fachhochschule Freiburg, ist Vizepräsident der Dt. Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie und seit Jahren mit Fragen der rechtlichen Vorsorge im Alter und der Patientenverfügung befasst. Student leitet das renommierte Hospiz Stuttgart, ist Mitglied der Akademie für Ethik in der Medizin und gilt als einer der Väter der deutschen Hospizbewegung.

In ihrem gemeinsam verfassten Buch kommen die beiden Professoren zu dem Schluss, dass die derzeit gängigen Formulare zur Patientenverfügung "bisweilen kaum das Papier wert sind, auf dem sie stehen," wie Student es bei der Präsentation des Buches formulierte. Sogar gefährlich könnten sie werden und so etwas wie eine "stille Euthanasie bewirken," ergänzte Klie, wenn Ärzte sich blind an die in solchen Formularen enthaltenen Aussagen hielten.

Zu folgendem Vorgehen raten die beiden Autoren stattdessen dringend: Zunächst sei es wichtig, dass eine Patientenverfügung individuell formuliert werde und genau auf die persönlichen Bedürfnisse des Verfügenden zugeschnitten sei. Man könne nicht alles vorweg regeln, warnt der Arzt Student. Stattdessen sollten die eigenen Wertvorstellungen und Wünsche bezogen auf das Lebensende klar formuliert werden.

Aber dann, ergänzt der Jurist und Rechtsanwalt Klie, müssten eine (oder mehrere) Personen auch mit der nötigen rechtlichen Macht ausgestattet werden, um den Wünschen zur Durchsetzung zu verhelfen, wenn der Betroffenen hierzu nicht mehr in der Lage sei. Dies gelinge mittels einer Vorsorgevollmacht. Hierfür genüge nun wiederum das sorgfältige Ausfüllen eines entsprechenden Formulars, das ggf. mit Hilfe eines Notars die erforderliche Rechtskraft erhalte. Alternativ oder ergänzend könne auch eine Betreuungsvollmacht ausgefüllt werden, die dann zu gegebener Zeit dazu führe, dass das Vormundschaftsgericht einen gesetzlichen Betreuer ernenne, der die Wünsche des Betroffenen durchzusetzen habe.

In ihrem Buch geben die Autoren aber nicht nur genaue medizin-rechtliche Informationen und Formulierungsvorschläge. Sie schildern auch anhand zahlreicher plastischer Berichte aus dem Leben schwerkranker Menschen, wie das Lebensende würdig gestaltet werden kann. Auf diese Weise nimmt das Buch die Leserinnen und Leser gewissermaßen behutsam an die Hand und geleitet sie sanft und sicher zu einer selbstbestimmten Entscheidung.

Das Buch Die Patientenverfügung was Sie tun können, um richtig vorzusorgen" ist eben im Verlag Herder, Freiburg in dessen Reihe Herder Spektrum erschienen und kostet 18,90 DM (ISBN 3-451-05044-7). Es wendet sich an Laien ebenso wie an Fachleute aus dem Gesundheits- und Rechtsbereich.

Rezensionsexemplare sind erhältlich über:

Verlag Herder

Lektorat Dr. Rudolf Walter

Hermann-Herder-Str. 4

79104 Freiburg i. Br.

Tel.: 07 61 / 27 170