Altenheim
Getreues Abbild eines mittelamerikanischen Kleinstaates mit Elementen einer deutschen
Endlos-Serie aus dem Fernsehen, nur dichter, rasanter und gefährlicher, eben Realität
!
Der Heimleiter
Sieht alles, weiß alles...vergißt alles - besonders wenn es um Zusagen gegenüber
Mitarbeitern geht. Umgibt sich gern mit der Aura des Allwissenden ( daher auch die Bezeichnung
lieber Gott des Altenheimes " ), obwohl er als Kaufmann ( oder Sozialfutzi oder
christliche Persönlichkeit " ) überhaupt keine Ahnung von Pflege hat.
Vieleicht auch gerade deswegen....
Die Pflegedienstleitung
Sieht alles, weiß alles... vergißt nie etwas, besonders wenn Untergebene Widerworte
gegeben haben. Hauptaufgabe: Krisenmanagement. Standard - Grußformel : Wer war
das ? " Oberste Fachkraft, meistens kompetent, was aber niemandem auffällt, da sie
es sich nicht leisten kann, schlauer zu sein als der Heimleiter.
Der Vorstandsvorsitzende des Trägers
Sieht nichts, weiß nichts... merkt sich aber alles; weil er auf Gerüchte
und Verräter angewiesen ist. Kommt nur ins Heim, wenn Feiern anstehen (Alkohol!), hält
dann unvermeidlicherweise eine Rede, in der er so tut, als hätte er den ganzen Etat des
Hauses mit seinen eigenen Händen durch Kohlen-Schleppen bestritten.
Setzt sich anschließend in seinen Dienstwagen (8 Zylinder, 200 PS) und fährt nach
Hause.
Die Stationsleitung
Undankbarster Job in einem Altenheim, für alles verantwortlich und von keiner
Seite Hilfe.
Wird beim kleinsten Fehler von der Heimleitung zur Schnecke gemacht; hat was geklappt, war
es das Verdienst des/der Allmächtigen (siehe Heimleitung).
Sieht es gar nicht ein, für Kr 6 den Helden zu spielen,
und gibt folgerichtig den Druck nach unten weiter.
Die stellvertretende Stationsleitung
Wie die Enkel von Willi Brandt:
warten ewig auf ihre Chance, und wenn sie da ist vermurksen sie es.
Meistens eine examinierte Kraft, die ab und zu wichtig tun darf und dafür von ihren Kollegen
und Kolleginnen
geschnitten wird.
Examinierte Kräfte
Sehen, was zu tun ist, wissen, was getan werden könnte, entscheiden, was
getan werden soll, verantworten, was tatsächlich getan wird. Prototyp des Front-Schweins".
Tragen die Hauptlast der Stationsarbeit, weil sie neben ihrer eigenen Arbeit auch
noch hinter allem, was unausgebildet arbeitet, her sein müssen und von diesen immer alles
zugeschoben bekommen.
Haben alle Hände voll zu tun, sich gegen Leute zu wehren, die alles besser
wissen.
Irgendwann kommen sie auf die bescheuerte Idee, sich für einen Job zu bewerben,
der für eine Lohnstufe mehr noch viel schlimmer ist...
Stationsleitung.
Hilfskräfte
Befinden sich ständig im Konflikt zwischen Geht mich nichts an"
und Ich bin der Stations-Profi." Haben die Indianapolis-Position
(wenn`s eng wird, bin ich als erster weg).
Zeigen ihre Inkompetenz dadurch, dass sie sich
einbilden, mit Kompetenz glücklicher zu sein.
Ansonsten unverzichtbar als unterste Stufe der
Pflegehierarchie. Die Betroffenen trösten
sich mit Intrigen gegen Examinierte.
Zivildienstleistende
Die Stars der Station,
da a: männlich (der Kran von Schifferstadt)
und b: ober-cool, weil sie keinen Vorgesetzten zu fürchtenhaben.
Machen deswegen, was sie wollen, und das immer zum
Nutzen der BewohnerInnen.
Praktikanten von Altenpflege-Schulen
Geliebt, weil Überstunden abgebaut werden, wenn sie kommen, gefürchtet,
weil sie alles besser wissen, sie auch noch meistens recht haben und so echten Stress verbreiten.
Niemand will schließlich hören, dass er seit zehn Jahren falsch gespritzt hat, hat
sich ja auch noch keiner beklagt, oder? Spielen sich oft als Robin Hood der BewohnerInnen auf,
und die BewohnerInnen finden das auch noch gut.
Raumpflegerinnen
Geliebt, weil sie einem so hässliche Arbeiten abnehmen, gefürchtet,
weil fast alle eine Verwandte unter den BewohnerInnen haben, und wenn nicht, dann wenigstens
eine Vertraute, und so jeden Fehler des Pflegepersonals als erste entdecken und einem natürlich
gleich aufs Brot schmieren.
Alles in allem Grund genug, sie an der kurzen Leine zu halten.
Der Betreuungsdienst
Sehen alles, verstehen nichts und erzählen es dann weiter.
Alles Doppelagenten, weil sie der Station erzählen, der Träger wäre Alkoholiker
und würde seine Frau schlagen, und dem Träger erzählen, die BewohnerInnen würden
schlecht versorgt.
Beschäftigungstherapeuten
Der natürliche Feind des Altenpflegers. Nicht nur, dass diese Burschen etwas tun, wozu
man selbst auch qualifiziert ist, sie machen auch noch so tolle Sachen wie Strick - Papageien
oder Reißwolle - Mobiles, die dann überall hängen und die Bewunderung von Heimleiter
und PDL finden. Examinierte fühlen sich zum Windelwechsel - Dienst degradiert. Wenn die
BT´s dann anfangen an der Pflege rumzunörgeln ( Oma Krauses Windel war wieder naß,
stellen sie das ab ), weicht die kooperative, ganzheitliche Turbopflege einem alles verschlingendem
Blutrausch.
Sozialarbeiter
Völlig überflüssiger Traumtänzer, der als
einziger noch glaubt, es ginge im Heim sozial zu.
Supervision
Andere Bezeichnung für bezahlte Langeweile, weil keiner weiß, was Supervision auf
deutsch heißt und niemand so dämlich ist, seine Kritik am Boß vor allen Leuten
rauszulassen und sich so an´s Messer zu liefern. Wird von Psychologen abgehalten, die
sich dabei selbst blöd vorkommen.
Der Arzt
Kleinkarierte Type, unfreundlich und in Eile, will nichts
rezeptieren. Redet selbstgefällig in übertriebener
Fachsprache, um zu zeigen, dass die Schwester für ihn
nur der geduldete Blödi ist.
Aber wenn er ledig wäre und sich anbaggern ließe...
Bewohner / Innen
In der komplizierten Welt des Personals absolut störend.
Alles würde wunderbar funktionieren, wenn nicht dauern die BewohnerInnen
irgendein Problem hätten,
und Probleme gibt es auch ohne BewohnerInnen schon genug. Meist hilft nur noch
die Flucht
ins Stationszimmer.
Verwandte/Angehörige
D i e P e s t !
Wissen absolut alles besser, weil sie
a: ihre Oma so gut kennen, (darum hassen sie sich auch) und
b: im Geschwollenen Blatt ein Bericht stand.
Meistens geht es in Wirklichkeit nur darum, alte Rechnungen zu begleichen oder
irgendwie an die Erbschaft zu kommen.
Stationszimmer
Trutzburg des Pflegepersonals. Wird mit zwei magischen Sprüchen kraftvoll verteidigt.
1. Ich bin beschäftigt ! 2. Wir haben jetzt Übergabe !
Optional kann bei beiden Sprüchen der Halbsatz : Pinkeln sie in ihre Windel, dafür
ist sie ja da " beigefügt werden. Ansonsten beherbergt das Stationszimmer die Dokumentation,
die Rapport- Kladde, das Nachtwachen- Buch, das Heft für Besonderheiten, das Spezial-
Buch für persönliche Botschaften zwischen den Schichten und jede Menge Merkzettel.
Die Pflege
Tätigkeit zwischen zwei Intrigen.
Die Kaffee-Kasse
Gibt es gar nicht,
und wenn es sie gäbe, wär`s bestimmt nicht für Kaffee.
Dienstzeit
Die Zeit, in der man das beschauliche und ruhige Zuhause verlässt, um mit
ein paar Hexen
unter Aufsicht eines unfähigen Ekels
Bestien zu hüten
Man hätte weiß Gott Besseres zu tun,
aber wir sind ja sooo sozial und hilfsbereit.
Altenheim
Getreues Abbild eines mittelamerikanischen Kleinstaates mit Elementen einer deutschen Endlos-
Serie aus dem Fernsehen, nur dichter, rasanter und gefährlicher, eben
Realität !
Bitte diese Zeilen nicht gar so ernst zu nehmen !
Der Autor ist Thomas Pfanner, Altenpfleger und Leiter
eines Altenheims.
Seine E-Mail-Adresse lautet: ThomasPfanner@aol.com
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